Wie oft hat man schon gehört „mein Hund ist halt einfach dominant!“? Diese Aussage ist so nicht richtig. Dominanz ist keine Charaktereigenschaft. Sie ist immer eine Momentaufnahme der jeweiligen Situation, Zeit und der individuellen Vorgeschichte, zweier Individuen. So wie Hund A in einer bestimmten Situation Hund B gegenüber dominant ist, kann es in einer anderen Situation, genau andersherum sein. Man kann niemals allgemeingültig sagen, mein Hund ist dominant.
Im Zusammenleben mit unseren Hunden ist eine klare Rangordnung von großer Wichtigkeit. Wir müssen eine Vorbildfunktion haben, damit unser Hund sich an uns orientieren kann. Andernfalls wird der Hund die Führung übernehmen, was unweigerlich zu Problemen führt und den Hund überfordert. Aber auch diese Hunde sind keine dominanten Hunde. Vielmehr ist hier ist die Dominanz situationsbedingt und das Ergebnis der Beziehung, zwischen Hund und Halter.
Aber wie wird man zum Vorbild für seinen Hund, an dem er sich gern orientiert? Oft wird Dominanz mit Aggression gleichgesetzt. Vielmehr ist es aber so, dass wenig Aggression zu viel mehr Autorität führt. Wer sich ruhig und besonnen durchsetzt, verlässlich und konsequent ist, befindet sich auf dem richtigen Weg.
Dominanz kann man in zwei Arten unterteilen. Die aktive und die passive. In der aktiven Dominanz setzten wir klare Grenzen und verhalten uns lehrend. Bei der passiven Dominanz sind wir Vorbilder mit ruhigen Führungsqualitäten. Bei unwichtigen Dingen kann man ruhig auch mal ein Auge zudrücken, wobei man Wichtiges konsequent durchsetzen sollte.
Schreien, Brüllen, Aggression hingegen, zeigen dem Hund nur, dass man mit der Situation komplett überfordert und hilflos ist. Das führt dazu, dass der Hund die Dinge selber regelt und er sich nicht an seinem Halter orientieren kann.
Hunde, die immer wieder versuchen durch Einschränkung der Bewegung, aufdringliches Beschnuppern usw. andere Hunde zu dominieren, hatten eine schlechte Sozialisation oder falsche Erziehung. Gut sozialisierte Hunde, mit viel Kontakt zu Artgenossen, zeigen keine Dominanz, sondern versuchen Kontakte immer friedlich zu halten.
Und so sind wir wieder beim Anfang….es gibt nicht „den dominanten Hund“, weil Dominanz keine Charaktereigenschaft ist.